10.10.09

Tag 23: Bye-bye, New York! Drei Wochen hin, sechs Stunden zurück

Drei Wochen lang haben wir das erdige, bodenständige Amerika erlebt. 7000 Kilometer Kontinentaldurchquerung in einem spritschluckenden, blubbernden Schiff von Auto aus einer vergangenen Ära, hergestellt von einem fast bankrotten Konzern. Gestartet in der Traumfabrik namens Hollywood, drei Wochen später gelandet in der finanziellen Alptraumfabrik namens Wall Street. Wir haben Büffel auf der Straße gesehen, unendlich viel Pizza und Pancakes gegessen und ein Amerika entdeckt das außerhalb der ausgelatschten Touristenpfade existiert. Bodenständig, erdig, einfach, sympathisch.
Jetzt sind wir wieder zurück in der Schicki-Micki Welt. Papa schreibt diese Zeilen auf seinem schicken Macintosh Notebook und kann sie dank Drahtlos-Internet im Flugzeug (das weniger kostet als das Internet im Hotel) aus zehn Kilometern Höhe samt Fotos abschicken. Anna sitzt daneben und steht ihrem Vater in Sachen Schicki-Micki in nichts nach: Sie schaut eine Folge "Handy Manny" auf dem iPhone. Fotos davon darf man keine machen.
Papa: "Anna, darf ich ich Foto von Dir machen?"
Anna: "Nein, Du hast schon so viele Fotos gemacht!"
Na gut.

Unser Schicki-Micki-Tag begann heute früh standesgemäß im Hilton-Hotel mit Frühstück auf dem Zimmer. Obstsalat, ein Bagel und ein Croissant. Einziger Schönheitsfehler: Weil das Hilton in New York 300$ pro Nacht verlangt haben wir das Hilton in Newark (25 km außerhalb) für 59$ gebucht und müssen mit dem Bus mühsam über eine Stunde in die Stadt gondeln. Wir steigen an der Grand Central Station aus und laufen ein paar Blocks. Anna verfolgt fasziniert eine mehrere hundert Meter lange Demo von Exil-Tibetern die Fotos vom Dalai Lama über die Park Avenue tragen. Sowas gibt's in Iowa nicht. Dann nehmen wir ein Taxi über die Brooklyn Bridge nach - wohin wohl - Brooklyn.

Dort wohnt Maceo, ein ehemaliger Kollege von Thomas, und der beste New York Führer den wir jemals hatten. Kaum ist Thomas nach drei Tagen New York zum Schluss gelangt dass er in diesem überfüllten, unfreundlichen Moloch niemals leben könnte zeigt uns Maceo die schönen Parks, Uferpromenaden  und Spielplätze von Brooklyn Heights. Wir blicken auf die Skyline von Manhattan, Maceo zeigt uns wo früher das World Trade Center stand. Wir sehen den Fähren auf dem Hudson River zu (ja, das ist da wo vor einigen Monaten Kapitän Sullenberger seine heldenhafte Landung hingelegt hat). Leben könnte man hier trotzdem nicht. Eine Dreizimmerwohnung kostet hier schonmal eine Million.

Aber kaum hat sich Anna mit Maceos Tochter Elena angefreundet gibt's noch mehr Schicki-Micki: Unsere Limousine zum Flughafen wartet. Stilecht in schwarz mit schwarzem Leder. Typ Lincoln Towncar. Und - gut zu wissen für New York Touristen - billiger als ein Taxi und vorbestellbar mit Kindersitz. Damit fahren wir zum Flughafen. Mit American Airlines geht es nach Hause. Wofür wir auf dem Hinweg fast 86 Stunden Fahrzeit in drei Wochen gebraucht haben, schaffen wir heute in sechs Stunden. Nach ungefähr drei überqueren wir Oklahoma. Da unten fährt gerade irgendwo Tanya mit unserem Auto. Sie ist schon zwei volle Tage unterwegs und wird nochmal eineinhalb Tage fahren. So sind die Dimensionen hier. Vorhin hat sie noch eine SMS mit Grüßen aus Bentonville, Arkansas, geschickt - der Heimat der weltgrößten Supermarktkette WalMart. Wir winken in Gedanken nach unten und freuen uns auf ein Wiedersehen am Montag.

Die nächsten zwei Tage melden wir uns nochmal mit Nachrichten wie es Tanya ergangen ist. Dann wird dieses Tagebuch (das laut Statistik in den vergangenen drei Wochen über tausendmal von Besuchern aus 14 Ländern für durchschnittlich drei Minuten aufgerufen wurde!) zugeklappt.

Danke an alle die unser Abenteuer so gebannt verfolgt und uns immer wieder E-Mails geschickt haben. Wenn wir wieder zuhause sind werden wir auch die Zeit finden sie alle zu beantworten.

Links:
Tanyas Strecke der letzten zwei Tage:


Größere Karte (man kann übrigens auch verschieben und zoomen)

Unsere (ungefähre) Route der gesamten drei Wochen:



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