9.10.09

Tag 21 & 22: Von der Pampa in die Metropole - Wir sind in New York

Pennsylvania ist wunderschön. Und wenn wir das sagen dann ist das ungefähr so qualifiziert wie wenn jemand Deutschland auf der A7 durchquert, einmal direkt an der Autobahn irgendwo in Hessen übernachtet und dann wieder geht.  Unsere A7 ist die I-80 und unser Hessen heißt Clarion. All die historisch bedeutsamen Sehenswürdigkeiten, Gettysburg, Pittsburgh oder Amish Country lassen wir links und rechts liegen, denn nach unserem verlängerten Aufenthalt in Michigan drängt die Zeit. Wir wollen nach New York, und wir haben einen Termin: 19 Uhr Dinner In Manhattan bei Thomas ehemaligem Chef Jim samt Familie. Der Ford schnurrt nur so auf dem Freeway und bei ziemlich konstant 120 km/h drücken wir unseren Durchschnittsverbrauch zum ersten (und vermutlich zum letzen) Mal haarscharf unter die 10 Liter Marke (nicht zuletzt vermutlich auch dank des neuen Thermostats aus Iowa). Nicht schlecht für 8 Zylinder und 4.6 Liter Hubraum.
Auf dem Weg nach New York merkt man lange Zeit gar nichts von der bevorstehenden Metropole. Idyllisch schlängelt sich der Freeway durch grün-herbstliche Wälder und Hügelketten, und es sieht (wieder mal) eigentlich genauso aus wie in Deutschland. Dann, knapp 80 Kilometer vor New York, beginnt der Moloch. Es beginnt mit ein paar Einkaufzentren und dichterem Verkehr. Und dann geht gar nichts mehr. Anna sitzt selig im Kindersitz und verschläft den kompletten Staat New Jersey wo der Verkehr dem in Rom oder Paris um nichts nach steht. Kurz vor dem Lincoln-Tunnel der nach Manhatten führt und wo (wieder mal) gar nichts geht wacht Anna auf und sagt nur begeistert "Soviele Autos und Trucks und Busse". Als sie eingeschlafen war fuhren wir noch durch die grüne Idylle.
Man kann nur sagen: Wer nach New York mit dem Auto fährt ist selbst Schuld. Aber irgendwie ist unser Auto auch hier wieder wie zuhause. Vermutlich gibt es nirgendwo auf der Erde eine so große Dichte an Ford Crown Victorias. Manchmal sehen wir auf einer Kreuzung fünf Stück hinterinander. Alles Taxis. Die Taxifahrer lieben dieses Modell: Billig, groß, und selbst im härtesten Schlaglochverkehr (von dem New York genug zu bieten hat) unzerstörbar. Und er ist schnell und billig zu reparieren.    

Bei Jim und Familie bekommen wir dann mit wie das so ist mitten in Manhattan in der Upper East Side zu wohnen. So wie man das aus dem Fernsehen kennt. Das Auto gibt man am besten im Parkhaus ab. Schlüssel stecken lassen. Das Fahren die Jungs vom Valet an den richtigen Platz. Unten im Apartment-Hochhaus ist der Concierge zu Diensten und kündigt den Besuch an. Jim und Familie verköstigen uns mit leckerer Pasta und Wein, während die zehnjährige Claudia ihre Malsachen und Puppen hervorkramt und Anna damit (wiede rmal) eine wundervolle neue Freundin gefunden hat.

Wer jetzt denkt dass man wenn man um Mitternacht aus New York rausfahren will die Straße für sich hat der hat die Zeile "the city that doesn't sleep" in the "New York, New York" Hymne unterschätzt. Es schlängelt und hupt sich munter weiter, und selbst als wir schon fast 20 km aus der Stadt draußen sind und wie einst Tony Sporano im Vorspann der berühmten TV-Serie die New Jersey Turnpike entlangbrausen, gibt's kein Entkommen. An der Autobahnausfahrt wo man seiner Maut entledigt wir stehen wir fast eine halbe Stunde in der Schlange. Um 0:30 Uhr nachts! Wie gesagt: New York am besten ohne Auto.

Wir überschreiten so also zu später Nachtstunde die 7000 km Marke und beenden den gemeinsamen Teil unseres Trips fast schon unscheinbar. Am nächsten Morgen klingelt um 7 der Wecker. Während Thomas und Anna noch sanft schlummern setzt sich Tanya ins Auto und macht sich auf den 4500 km langen Rückweg. Das wollte sie schon immer mal machen, und das erspart uns den nervigen Versuch unseren Wagen innerhalb von zwei Tagen verkaufen zu müssen.

Anna und Thomas schlafen also bis 10:30 Uhr durch und machen sich dann mit dem Bus wieder auf nach Manhattan (der Schwabe war halt zu geizig 200$ pro Nacht für ein Hotel in der Stadt aus zu geben). Der Bus hält direkt am Time Square und kaum sind wir 50 Meter gelaufen hat Anna schon keine Lust mehr. Aber für solche Fälle gibt's ja Terry. Der ist Grieche aus Thessaloniki, studiert irgendwas mit Netwerktechnik und fährt eine Rikscha. Wir hüpfen rein, und schon ist Anna schwer begeistert.

Zwei Stunden kutschiert uns Terry durch Manhattan, lässt uns im Central Park am See schön Mittagessen, macht am Spielplatz halt und beschert Anna einen Riesen-Spaß (siehe auch die Videos im Fotoalbum). Nach zwei Stunden setzt er uns am Kindermuseum ab, das aber nicht wirklich beeindruckt. Nach einer halben Stunde sind wir wieder draußen, und Anna hat auf der ursprünglich geplante Naturkunde-Museum (bekannt aus "Nacht im Museum" mit Ben Stiller) keine Lust mehr. Also Taxi zum Empire State Building. Natürlich ein Crown Victoria. Anna schläft auf der zehnminütigen fahrt auf dem Rücksitz ein. Und wacht erst wieder auf als Papa sie schlafend durch alle Ticket- und Sicherheitsschlangen im einstmals größten Hochhaus der Welt getragen hat. Den Blick findet sie toll. Aber auch nur zehn Minuten lang. Dann wieder runter.

"Ich habe Hunger und Durst", äußert die Madame dann. Papa will unbedingt eine berühmte New Yorker Pizza essen. Er zückt das iPhone und sieht dank der "Citysearch" Applikation dass man zu einer der zehn besten Pizza-Hütten nur einen halben Kilometer laufen muss. Anna auf die Schulter, die 5th Avenue entlang, die 31st Street runter. Papa ist glücklich, Anna sagt "der Käse ist eklig" und isst nur den Rand. Dann wieder zu Fuß Richtung Time Square wo der Bus zurück wartet. Auf dem Weg kaufen wir im Drogeriemarkt eine Flasche Milch für Anna und finden für Papa endlich ein Modellauto des Crown Victoria. In Polizeiausführung. Hat er schon lange gesucht und hatten sie noch nicht mal im Ford-Museum.

Derweil meldet sich Mama aus Dayton, Ohio. Während Papa und Anna sich vergnügt haben ist sie heute schon über 1000 km gefahren und liegt super im Zeitplan. Übernachtet wird irgendwo hinter Indianapolis in Marshall, Illionois. Papa bucht ihr über's Internet ein Motel. Morgen dann vermutlich in Texas oder New Mexiko, übermorgen dann in Arizona, und am Montag ist sie dann - wenn alles glatt läuft - zuhause in Pasadena. Anna und ihr Papa haben es da einfacher. Sie lassen sich morgen vom Zimmerservice das Frühstück ans Bett bringen, nehmen dann den Bus nach Downtown, schauen sich ein bisschen die Wall Street an und besuchen am nachmittag in Brooklyn Thomas ehemaligen Kollegen Maceo  der eine zweijährige Tochter hat. Von da geht's zum Flughafen und nach Hause.

Logbuch (nur bis New York, Tanyas Fahrt zurück nicht einberechnet):
  • Kilometer gesamt: 7015 km
  • Kilometer gestern: 580 km
  • Fahrzeit gesamt: 85:45 Stunden
  • Fahrzeit gestern: 7:13 Stunden
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 81,8 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: 11 l/100 km
  • Spritverbrauch gesamt: 770 Liter
  • Spritkosten: 370 EUR
  • Durchschnitts-Spritpreis: 48 Euro-Cent pro Liter (ca. 5 Cent pro km) 
  • Reparaturkosten (Thermostat Diagnose und Austausch): 60 Euro
  • Sonstige Verluste: zwei Radkappen (müssen wir beim Schrotti neue holen) und eine Windschutzscheibe (Versicherungsfall)
Unsere Route nach New York:


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Tanyas Route zurück:


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1 Kommentar:

  1. Sounds like you were near my old hood.

    Enjoy your day in the Big Apple. If you like NY style pizza, there is a pretty authentic place in Santa Monica. It is actually a branch of a place in Brooklyn.

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