7.10.09

Tag 20: Spätzle mit Rock'n'Roll

(Achtung, nachdem die Internetverbindung in den letzten Tagen nur sporadisch war haben wir zum gestrigen Tagebuch jetzt Fotos hinzugefügt die gestern noch nicht da waren. Die Fotos und Videos der letzten 3 Tage starten hier.)

Wenn man sich die Liste der Staaten die wir heute und in den vergangenen zwei Tagen besucht haben ansieht könnte man meinen wir seien masochistisch veranlagt. Michigan, Ohio, Pennsylvania. Es gibt wenige US-Staaten die lauter “Wirtschaftskrise” und “Hoffnungslosigkeit” schreien als diese drei. Auto- und Stahlindustrie liegen am Boden, Arbeitslosigkeit und Abwanderung sind die Folge. Das hat schon so ein bisschen was von Brandenburg oder Sachsen-Anhalt hier. Ehemals stolze Industriegebiete verrotten, sogar schicke, große, relativ neue Häuser werden für unter 100,000 Euro regelrecht verramscht. Lansing, die Hauptstadt von Michigan und Arbeitzsplatz unseres Freundes Tim, ist stolze Heimat der Automarke Oldsmobile, samt Oldsmobile-Park und Stadion. Das Problem: Oldsmobile gibt es schon seit dem Jahr 2004 nicht mehr.

Und warum zum Teufel tut Ihr Euch das dann an, fragen uns sogar Nicolle und Tim die hier wohnen. Die Antwort: Weil es bei dieser Reise nicht darum geht möglichst viele Touristen-Attraktionen wo man sowieso nur Deutsche Lehrer-Ehepaare antrifft, abzuzklappern. Es geht darum Freunde zu besuchen, die ausgetrampelten Pfade zu verlassen und Dinge zu entdecken die man normalerweise links liegen lässt.

Also entscheiden wir uns gegen die Touri-Route die durch Kanada über die Niagara-Fälle nach New York führt. Das macht ja jeder. Wir mögen es erdiger. Nachdem wir uns von Nicolle und Tim verabschieden, biegen wir in Detroit nach Südosten Richtung Cleveland ab und frühstücken in einem Truck Stop (Tanya schwärmt: “Ich liebe Truck Stops”, und wir können sie wirklich jedem USA-Reisenden wärmstens empfehlen).

In Cleveland besuchen wir die Rock’n’Roll Hall of Fame und das dazugehörige Museum. Auch das übrigens - wie so vieles auf diesem Trip - ein kleines Rentnerparadies. Die hippe Jugend will mit dem altmodischen Kram nichts zu tun haben. Anna kräht “Zu laut hier!” während die Omas im Takt zu Elvis-Rhythmen wippen und die inzwischen zu Hausfrauen mutierten ehemaligen Teenie-Rebellen ein Video mit Kurt Cobain oder die Harley von Bon Jovi anschmachten.

In Cleveland führt uns (wieder mal) das Internet in Form von zufällig erstandenen Restaurant-Gutscheinen an die spannendsten Plätze. Nach einer wilden Fahrt durch verkommene Gegenden landen wir im Antiquitäten-Viertel wo uns ein Pub erwartet der uns mit seinen Menschen, seinen Düften und seiner Ausstattung an eine Altberliner Eck-Kneipe erinnert. Und es kommt noch besser: Thomas bestellt die Tagesspezialität “Chicken Paprikash” und bekommt ein halbes Hähnchen mit Paprikasauce und SPÄTZLE (!!!) serviert. Mitten in Cleveland! Die Spätzle schmecken besser als die in so mancher Berliner Eck-Kneipe, und für 20$ (14 EUR) essen und trinken wir drei fürstlich. Wir müssen sogar noch die Hälfte samt Nachtisch einpacken lassen. Es stellt sich heraus dass das Antik-Viertel früher hauptsächlich von ungarischen und italienischen Fabrikarbeiter bevölkert wurde, und dass unsere Kneipe da schon seit 1939 steht. Das erklärt einiges.

Außerdem treffen wir eine aufregende Entscheidung: Wir werden unser Auto nicht in New York verkaufen. Stattdessen wird Tanya sich ihren Traum vom Fernfahrer-Dasein erfüllen und die 5000 km von Freitag bis Sonntag zurückfahren, während Anna mit ihrem Papa noch zwei Tage New York erkunden und dann das Flugzeug zurücknehmen wird.

Logbuch:

Kilometer gesamt: 6435 km
Kilometer seit Chicago in den letzten 4 Tagen: 1324 km
Fahrzeit gesamt: 78:32 Stunden
Fahrzeit seit Chicago in den letzten 4 Tagen: 16:12 Stunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 81,9 km/h

Unsere Route der letzten drei Tage:


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Kommentare:

  1. The one thing about truck drivers getting across the US in 3 days is that they do it in teams of 2. One sleeps while the other drives, and then they switch. I did SF to Austin, Texas in 3 days on my own, but admit that was pretty crazy. Spent about 15 hours in the car on the final day. I was motivated by the desire to not spend another night alone in a motel room. Be safe.

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  2. Bin mehr zufällig reingeschneit, aber ein Kommentar ist mir wichtig. Gute Seite, besser noch wäre sie, wenn so was wie der Pub auch nachvollziehbar erwähnt würden (Name, evtl. Link). Tolles Konzept dieser Trip.

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