2.10.09

Tag 15: Nicht fein aber gut - Von Iowa nach Chicago

Frei nach einer amerikanischen Redensart:
Du kannst den Deutschen aus Deutschland holen, aber niemals Deutschland aus dem Deutschen.
In diesem Sinne: Da kann der Mechaniker gestern das Vehikel noch so loben, aber eine brennende Warnlampe und eine fehlende Radkappe am Auto gehen gar nicht. Wo der Amerikaner laut Mechaniker Kyle schon mal Klebestreifen über das Warnlicht klebt damit er es nicht mehr sehen muss, stellt Thomas seinen Wecker extra-früh, sucht einen guten Mechaniker im Internet und macht sich auf den Weg. Diesmal sind’s nicht 15$ sondern 70 (knapp 50 Euro). Dafür gibt’s einen neuen Thermostat der Premium-Klasse (kostet $20 statt $10 für das einfache Modell) samt Einbau. Und bietet die Einsicht: Das hätte man auch selbst machen können. Zwei Schrauben lösen, Schlauch abziehen, Thermostat raus, neuen rein, draufschrauben, fertig. Thomas ist einmal mehr begeistert von der Einfachheit und Robustheit des Crown Victoria. Und auch dieser Mechaniker ist begeistert vom Zustand unseres Polizeiautos: “Der sieht so aus als ob er von einer alten Dame gefahren wurde und nicht von einem Polizisten.” Wir nehmen das jetzt mal als Kompliment.




Nächstes Ziel für unser Oma-Auto: Durch den strömenden Regen zum größten Truck-Stop der Welt. Der heißt “Iowa 80” und liegt – wie könnte es anders sein – an der Interstate Nummer 80 im Staate Iowa. Wir besuchen das Truck-Museum, bewundern den riesigen Shop in dem es wirklich alles gibt was das Trucker-Herz begehrt und schießen jede Menge lustige Fotos und Videos die sich in der heutigen Foto-Galerie auf Picasa finden. Außerdem gibt’s das zweite Buffet unserer Reise. Nach dem piekfeinen Bellagio-Hotel in Las Vegas diesmal ein 15 Meter langes Trucker-Buffet. Das Motto: “Nichts Feines. Einfach gutes Essen.” Hackbraten, Schweinekotlett, Kartoffelbrei, Erbsen, Suppen, Salate, Kuchen und Kekse soviel man will. Kostenpunkt: 11 Dollar (8 Euro). Wir erleben auch die billigste Tankfüllung unserer Reise: $2,29 pro Gallone entspricht ca. 45 Eurocent pro Liter Sprit. 


Die Interstate Nummer 80 hat für uns eine besondere Bedeutung weil unsere erste Wohnung in Kalifornien gerade mal 20 Meter davon hinter einer Mauer lag. Unweit davon entfernt: Der Wegweiser “Ocean City Maryland 3000 Meilen” in Sichtweite. Die gleiche Autobahn, einfach nur 3000 km östlicher, führt uns jetzt ostwärts aus Iowa nach Illinois. Es regnet in Strömen, es ist kalt daraußen und die Landschaft ist sehr grün mit vielen Mais- und Kornfeldern. Eigentlich alles wie in Deutschland. Und wo wir gerade an die Heimat denken, stoppen wir doch gleich mal bei Aldi.


Das gibt’s in Kalifornien nicht, in Deutschland sind wir da eigentlich auch nie hingegangen, aber wir sind schon neugierig wie das hier aussieht. Urteil: Völlig unauthentisch. Grund: Dem Deutschen machen im Gegensatz zum Amerikaner unaufgeräumte und schmutzige Läden nichts aus. Und so ist dieser Aldi großzügig geschnitten, super aufgeräumt und sehr sauber. Wir kaufen ein paar Süßigkeiten die aus Deutschland zu stammen scheinen. Billig ist es in der Tat.

Das kann man von Chicago nicht behaupten. Zwar gelingt es uns bei der Anfahrt noch die Mautsraßen die schon 80 km vorher anfangen zu umgehen, aber spätestens beim Hotel müssen wir uns geschlagen geben: 50 Dollar pro Tag für’s Parken, und es gibt kein Entkommen. Es ist der Preis für ein Hotel im Herzen der “Magnificent Mile” in Downtown. Und so übernachtet unser Auto fast genauso teuer wie wir ($50 fürs Auto, $69 für uns drei). Chicago bei Nacht ist beeindruckend. Anna – ganz das kalifornische Stadtmädchen – kriegt sich gar nicht mehr ein vor Begeisterung ob der vielen Lichter und Hochhäuser. Unser Zimmer ist wahnsinnig schön. Eine Suite mit zwei Fernsehern und separatem Wohnzimmer.

Morgen erkunden wir Chicago und bekommen Besuch von Tanyas guatemaltekischer Schulfreundin Astrid die hier in der Nähe wohnt. Autofreier Tag. Man muss - auch so eine Deutsche Angewohnheit – die horrende Parkgebühr doch voll ausnutzen.
Logbuch:

Kilometer gesamt: 5011 km
Kilometer heute: 372 km
Fahrzeit gesamt: 62:20 Stunden
Fahrzeit heute: 5:09 Stunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 80,4 km/h

Die heutige Route:

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1 Kommentar:

  1. We really did have a great deal on parking when we lived in Chicago. Of course, we did park in the bat cave on lower lower Michigan Avenue - but it was valet.

    Too bad Rio won. I am sure there would have been a parade in Chicago, had they clinched it.

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