27.9.09

Tag 10: Durch die Prairie zum Buffalo-Burger

Wir haben die Frage an dieser Stelle schon häufiger gestellt: Woran erkenne ich dass ich im tiefsten Amerika gelandet bin? Antwort heute: Am Autobahn-Schild “Next McDonald’s 205 Miles”. Die Vorwarnung auf 330 Kilometer zivilisationsfreie Prärie?

Mehr Fotos und Videos wie immer hier bei Picasa.

Prärie ja. Im wahrsten Sinne des Wortes: Nachdem wir die Black Hills (die bewaldeten “schwarzen Hügel”) verlassen, stoßen wir auf Meile über Meile an gelblichem Gras das sich im Sturm (der Wind bläst heute mit 50-100 km/h über die endlose Weite) wiegt. Die Kühe am Straßenrand sind inzwischen obligatorisch, werden aber in Kürze Mais- und Weizenfeldern weichen. Manchmal fühlt man sich hier wie im Allgäu nur dass alles zehnmal größer und weiter voneinander entfernt ist. Und das Gras ist nicht grün. Dafür gibt es hier auch sanfte Hügel, Geräteschuppen und Höfe an der Autobahn, Seen, Teiche und natürlich die Kühe.
Zivilisationsfrei ist der McDonalds-freie Landstrich dagegen mitnichten. Vor allem ein Etablissement ist besonders geschäftstüchtig und hat alle paar hundert Meter am Straßenrand lustige Schilder plaziert: “Wall Drug”, der Drogeriemarkt des Dörfchens Wall.



In den 30er Jahren kam ein geschäftstüchtiger Apotheker hier auf die Idee den Reisenden kostenloses Eiswasser anzubieten. Seitdem läuft die Bude und ist Vergnügungspark, Kitsch- und Ramschladen, Western-Boutique und Restaurant in Einem. Eine Touristenfalle mit Charme. Mama und Anna probieren Cowboyhüte und Stiefel an, kaufen aber nichts. Papa kann es sich nicht verkneifen das kostenlose Eiswasser mitzunehmen. Den Kaffee den es daneben für 5 Cent gibt lässt er aber stehen.

Mitten in der Prairie dann auf einmal spitze Berge. Naja, zugegeben, als gute Deutsche Amerika-Touristen konnten wir uns einen Nationalpark auf dem Weg dann doch nicht entgehen lassen. “Badlands” heißt er weil die Umgebung ziemlich unwirtlich ist. Anna unterhält uns einmal mehr mit ihren trockenen Kommentaren:
Mama: “Anna, guck mal die Berge!”
Anna: “Die sind aber steil.”
Papa: “Gefallen sie Dir?”
Anna: “Nein.”
Papa: “Welche Berge gefallen Dir denn?”
Anna: “Crazy Horse!” (da waren wir gestern)
Hier in der Gegend ist auch der Wounded Knee Creek an dem sich das Massaker von Wounded Knee ereignete bei dem hunderte rebellische Indianer zu Tode kamen. Lang’ ist’s her dass wir das im Englischunterricht bei Herrn Rippberger durchgenommen haben. Da war das also. Überhaupt findet man hier Vieles was man irgendwann im Englisch-Unterricht mal gehört hat. Wounded Knee, Crazy Horse, die Sioux, die Frontier, den Goldrausch von 1880, …
Wanderungen und Spaziergänge erübrigens sich angesichts des kalten und starken Windes und der Tatsache dass wir noch 800 km bis morgen abend vor uns haben. Kilometer schrubben ist angesagt, weshalb uns einige vielversprechende Attraktionen am Wegesrand entgehen: Eine noch erhaltene Siedler-Parzelle mit Wohnhaus und Scheune und eine Art Freilichtmuseum das eine Stadt aus dem Jahr 1880 nachstellt. Auch die Pioneer Auto Show (ein riesiges Museum milt Autos und anderem alten Kram das sehr urig und chaotisch und nicht so steril wie die meisten Museen sein soll) erreichen wir zu spät weil wir nicht wissen dass wir kurz vorher die Zeitzonen-Grenze überfahren werden. Papa findet dass so schade dass er Mama gleich erinnert: “Wenn Du mal ein Geschenk für mich suchst …” Aber: Davor steht der Uropa unseres Polizeiautos: Ein alter Cruiser, der sogar ebenfalls aus LA kommt. Familienfoto. Und: In der Nähe gibt es einen Spielplatz für Anna.


In der Dämmerung erreichen wir den Missouri River. Nicole macht Fotos und wirft Steine. Anna schläft und will nicht aussteigen. Ein Schild verkündet dass die McDonald’s-freie Zone (leider) zuende ist. Wir gehen lieber zu Albert Müller aus Freiburg, bzw. dessen Nachfahren. “Al’s Oasis” ist noch so ein Touri-Mekka am Freeway. Dreimal Buffalo-Burger bitte! Auch hier gibt es Kaffee für 5 Cent die Tasse. Dazu nehmen wir den besten Apple-Pie den Thomas in den USA bisher hatte.



Es ist dunkel, und bis morgen abend sind noch 700 km zu bewältigen damit wir bei Jen & Jerry in Minneapolis ankommen. Tanya setzt sich ans Steuer und entscheidet:; Jetzt werden mal ein paar Kilometer abgespult. Den berühmten Corn Palace in Mitchell lassen wir links liegen. Thomas und Nicole holen ihre Laptops raus. Thomas sichtet die Fotos und Videos des Tages und schreibt diese Zeilen. Anna stülpt sich die Kinder-Kopfhörer die ihr Oma und Opa zu Weihnachten geschenkt haben über und hört Janoschs “Post für den Tiger”. Thomas sucht mit dem iPhone ein günstiges Hotel in Sioux Falls und einen Schrottplatz. Wir haben nämlich eine Radkappe verloren. Die muss natürlich schon aus kosmetischen Gründen ersetzt werden. Und wenn das bedeutet dass wir im Herzen der Vereinigten Staaten einen Schrotti aufsuchen “müssen”: Um so besser!

Gerade als Papa diese Zeilen schreibt ruft Mama zwei Dinge aus: 
1. “Die Benzin-Warnlampe ist angegangen.”
2. ”Noch ein McDonald’s Schild!”
Wir nähern uns mit großen Schritten (bzw. mit 130 Kilometern pro Stunde) Sioux Falls, der größten Stadt South Dakotas. Volltanken. Einchecken. Die Zivilisation hat uns eindeutig wieder.

Die heutige Route:

Größere Karte ("Sat" für Satellitenbild)

Logbuch:
  • Kilometer heute: 596 km (bei Weitem die weiteste Tagesstrecke bisher)
  • Kilometer gesamt: 3572 km
  • Effektive Fahrzeit heute: 5:45 Minuten
  • Fahrzeit gesamt: 42:53 Stunden
  • Durchschnittsgeschwindigkeit gesamt: 83.5 km/h
  • Durchschnittsverbrauch bisher: 11.1 Liter/100 km 
  • Gesamtverbrauch: 105 Gallonen = 397 Liter Normalbenzin
  • Spritkosten bisher: $275 (=191 EUR) 

 

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